What Kind of Fucked-Up Superhero are you?! – Ein Blick auf Jessica Jones

alias-jesssica-jones-comic-coverAm 20. November startet die Netflix-Serie Jessica Jones.Grund genug einmal diesen doch eher unbekannten Charakter und den Comic, auf dem sie basiert, etwas näher zu betrachten.

Die Geschichten um Jessica Jones basieren auf dem Comic Alias von Brian Michael Bandis, zuerst publiziert im Jahr 2001. Unter Marvels damaligen Label MAX erschienen Comics, die an ein älteres Publikum gerichtet waren – unzensiert und mitunter grafische Darstellungen von Sex und Gewalt. In 28 Ausgaben werden dort die Abenteuer der Ex-Superheldin Jessica Jones erzählt, die ihr Cape im Keller der Avengers eingemottet hat und als Privatdetektivin arbeitet.

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Unter dem Alias Jewel hatte Jessica einst einen guten Draht zu Marvels großen Rächern und Rächerinnen. Sie hatte all die klassischen Super-Kräfte die wir aus Comics kennen und doch war sie nie wirklich gut darin, eine Heldin zu sein. Sie kann fliegen, aber nicht wirklich hoch und bei der Landung hapert es. Sie ist übermenschlich stark, aber hat keine Heilungskräfte die ihr helfen, wenn sie mal Schläge einstecken muss. Irgendwann hat sie aufgehört, Jewel zu sein, hat alle Brücken abgebrochen und möchte nun mit der Welt der Capes und Masken nichts mehr zu tun haben. Um sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren hat sie sich als Privatdetektivin selbstständig gemacht und die Agentur „Alias“ gegründet. Durch ihre Fälle wird sie jedoch immer wieder zurück zu jeden Supermenschen geworfen, von denen sie eigentlich Abstand suchte.

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Jessica Jones ist nicht vornehmlich sexy, sie ist sie selbst!

Die Jessica, die wir kennenlernen, ist keine Freundin von vielen Worten: Sie wirkt meist angepisst, ist hitzköpfig und selbstzerstörerisch. Sie raucht und trinkt oft viel zu viel, flüchtet sich von einer Affäre in die nächste und versucht dabei doch irgendwie ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Schnell wird klar, das ihr dabei ein gewaltiger Minderwertigkeitskomplex und Probleme mit Autorität und aber besonders sie sich selbst im Weg steht. Ihre Freunde versuchen ihr Stabilität zu geben, allen voran der Superheld Luke Cage, doch stößt sie diese immer wieder von sich weg. Und dann ist da immer wieder dieser purpurne Schatten aus ihrer Vergangenheit, der versucht sie einzuholen. Er kriecht in jeden Bereich ihres Lebens, um ihre Fälle und ihre Beziehungen zu manipulieren.

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Superheldinnen auf dem Klo – gibt es auch nicht oft!

Das Alles klingt sehr nach einem Klischee, Alias ist aber eine intelligente und tatsächlich einzigarte Sicht auf eine Marvel Superheldin. Alias ist eine Comic-Superheldinnen Geschichte, aber Alias ist auch anders. Es ist in vielerlei Hinsicht eine Detektiv-Noir Story und beweist damit wieder einmal, dass das Superhero-Genre viel mehr kann als Hau-Drauf-Action, empfindungsfähige Roboter oder Alien Invasionen.

Alias ist düster, bedrückend und oft schwer zu verdauen. In Alias geht es um das Überwinden von Traumata, über das Sich-Selbst-Wieder-Finden und der Suche nach Glück.

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Die Flashbacks zu Ihrer Zeit als Jewel haben einen komplett anderen Ton als der Rest des Comics

Das Einzige, was man dem Comic vorwerfen kann, ist der manchmal sehr unsensible Umgang mit sexualisierter Gewalt, auch wenn er sich sehr bemüht, das nicht zu tun. Auch sind manche Kommentare eher frauenverachtend als „cool“, aber das ist ein typisches Nebenprodukt seiner post-feministische Zeit. Alles in allem ist Alias aber ein Comic das sich lohnt zu lesen mit einer guten Geschichte und einer starken Frau, die auch Schwächen haben darf.

Die Comics sind fest im Marvel Universum verankert. Ihre Fälle drehen sich um Captain America, um die X-Men oder eine gekidnappte Spider-Woman. Ihre beste Freundin Carol Danvers, aka Captain Marvel (damals noch in der Rolle von Ms. Marvel) verkuppelt sie mit Ant-Man Scott Lang mit dem sie im Laufe der Comics eine On-Off Beziehung führt. All diese Charaktere wird die kommende Netflix Serie nicht verwenden können. Ich bin mir jedoch sicher, dass die Produzenten und Produzentinnen genau wie bei Daredevil trotzdem bemüht sein werden, die Serie im Marvel Cinematic Universe so zu etablieren, dass sie eigenständig neben den Filmen existieren kann. Zumindest Daredevil sollte ohne größere Probleme zu einem Crossover zu bewegen sein. Im Comic ist er Jessicas Anwalt, und laut IMDB hat Charlie Cox mindestens einen Gastauftritt in der Serie. Gespannt können wir auch darauf sein, wie der Marvel Charakter Patsy Walker aka Hell Cat in Jessicas Lore eingefügt wird.

Jessica Jones läuft ab dem 20. November auf Netflix. Die Comics gibt es z.B. bei Comixology, wenn auch nur in englischer Sprache oder als Omnibus Alias.

 

Alle Bilder aus dem Comic Alias – Brian Michael Bandis, 2001

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