Terminator Genisys – Ein Selbstversuch

 

"You are terminated!"
„You are terminated!“ – Skynet ist nicht tot zu kriegen.

Terminator–Genisys, der insgesamt fünfte Film in der Terminator-Filmserie, läuft seit letzter Woche in den deutschen Kinos und hatte bereits weit im Vorfeld mit einer Aura der Negativität zu kämpfen. Ich habe den Selbstversuch gewagt, bin in die wöchentlich stattfindende OV-Vorstellung meines lokalen Kinos gegangen und habe mir die englische Fassung von Terminator–Genisys in 3D angesehen. Soviel vorweg: Ich hab es nicht bereut.

Ich bin selten mit einem ungewisseren Gefühl in eine Kinovorstellung gegangen wie am vergangenen Sonntag. 13 Euro für die 3D-Vorstellung eines Films der auf der Webseite Rotten Tomatoes nur von 26% aller Kritiker positiv bewertet wurde. Ob ich da nicht einen Fehler mache? Die Chance war also in meinen Augen sehr groß, dass ich in den nächsten zwei Stunden einen richtig schlechten Film zu sehen bekomme und mich nachher darüber ärgere, mein Geld dafür ausgegeben zu haben. Während der Film lief, habe ich mich aber mehrmals bei einem anderen Gedanken erwischt:

Wann kommt der Punkt an dem der Film jetzt so schlecht wird, wie mich die vielen negativen Reviews im Vorfeld glauben lassen wollten?

Ich war überrascht, dass dieser Punkt nicht so recht eintrat. Gut, gegen Ende wurde der Film etwas schwächer für mich und ich habe dann auch irgendwann gedacht, dass jetzt vielleicht ein guter Zeitpunkt für das Ende der Handlung gekommen ist und der Bösewicht endlich besiegt werden soll. Das geschah dann aber auch promt und bevor der Film in den Bereich von „frustrierend lang“ gekommen wäre. Ansonsten hatte ich die meiste Zeit das Gefühl, einen mindestens sehr soliden Eintrag in die Terminator-Reihe zu sehen. Ein Film, der zwar nicht an die Genialität der ersten beiden Teile heranreicht, aber zumindest den bitteren Geschmack des vierten Teils von 2009 beseitigen konnte und in meinen Augen sogar besser als direkte Fortsetzung von Teil 1 und 2 dienen kann als dies der tatsächliche dritte Film von 2003 geleistet hat. Eigentlich hat der Film also genau das geliefert was ich wollte, aber was ich nach den von mir im Vorfeld gelesenen Reaktionen fast schon nicht mehr erwartet hatte.

Viele Momente in Terminator-Genisys zielen auf einen Nostalgiefaktor ab, indem teilweise Sequenzen aus Camerons erstem Terminator-Film nachgestellt werden, sich aber dann in eine andere Richtung entwickeln. Das hat für mich besser funktionierte als ich vorher gedacht habe. Gerade auch, da ich mir den ersten Teil der Reihe aus dem Jahr 1984 noch vor ein paar Tagen zur Auffrischung meines Kinobesuchs angesehen habe. Das Spiel zwischen den bekannten Sequenzen und neuen Wendungen in Terminator-Genisys bietet diesem Film die Möglichkeit, die Originalfilme von Regisseur James Cameron zu zelebrieren und sich gleichzeitig auch von ihnen zu lösen. Es hilft daher vor allem Camerons The Terminator und Terminator 2 – Judgment Day bereits gesehen zu haben. Eine erneute Lektüre von Teil 3 und Teil 4 ist nicht zwingend, da der neue Film diese im Prinzip einfach ignoriert.

"I´ll be back!"
„I´ll be back!“ – Arnold Schwarzenegger hält sein Versprechen.

Es gibt sicher viele Terminator-Fans, die sowieso jede Fortsetzung nach dem zweiten Teil für überflüssig halten; Wer so denkt, wird auch diesen Film für unnötig halten und sollte ihn sich auch erst gar nicht ansehen. Aber wenn ich ehrlich bin, dann hat für mich der erste Terminator auch nach keiner Fortsetzung geschrien, denn bei genauer Betrachtung zerstört Teil 2 die perfekte Zeitschleife des ersten Teils und bietet bereits nur eine Variation von Teil 1 an. Trotzdem wurde der Film gedreht und wurde ein Meilenstein des Actionkinos. Terminator-Genisys ist dies natürlich nicht und ist auch weit von der Genialität der ersten beiden Filme entfernt, aber das macht diesen Film nicht gleich zu einem absoluten Reinfall. Im Gegenteil. Die Story von Terminator–Genisys ist fest verankert in der Terminator-Mythologie und zeigt auch endlich beispielsweise die Hintergründe des finalen Angriffs auf Skynet im Jahr 2029, bevor der erste Terminator ins Jahr 1984 zurückgeschickt wird, um Sarah Connor zu töten und den Sieg der Menschen über die Maschinen doch noch zu verhindern.

Emilia Clarke als neue Sarah Connor und Jai Cortney als neuer Kyle Reese können den Vergleich zur Darstellung von Linda Hamilton und Michael Biehn zwar nicht gewinnen, aber ich habe sie doch recht schnell in den Rollen akzeptiert. Auch Jason Clarke als neuer John Connor macht eine gute Figur, während der groß angekündigte Auftritt von Ex-Doctor Who Darsteller Matt Smith überraschend klein ausfiel.

"Come with me if you want to live!"
„Come with me if you want to live!“ – Emilia Clarke und Jai Courtney als Sarah Connor und Kyle Reese.

Arnold Schwarzenegger überzeugt überraschenderweise mit seinen 67-Jahren auch weiterhin glaubhaft in der Rolle des Cyborgs, der ihn einst zu einer Filmlegende hat werden lassen. Mag sein, dass die Coolness des Charakters im zweiten Teil der Reihe seinen absoluten Höhepunkt erreicht hatte, aber die neue Dynamik eines alternden Terminators, der Sarah Connor groß gezogen hat, ist durchaus reizvoll und ist im Prinzip der nächste Schritt in der Evolution des Terminators, nachdem wir ihn in Terminator 2-Judgment Day bereits als Vaterfigur für John Connor erleben durften. Zudem fungiert die in diesem Film dargestellte Alterung der Haut von Schwarzeneggers T-101 im Nachhinein auch als eine gute Erklärung für die veränderte Physis Schwarzeneggers im Verlauf aller fünf Terminator-Filme. Auch die visuellen Effekte, die dazu eingesetzt werden, dass ein alter Arnold Schwarzenegger eines seiner jüngeren Ichs bekämpfen kann, überzeugen. Kein Vergleich zu dem Versuch aus Terminator–Salvation vor sechs Jahren.

Terminator-Genisys scheint in meinen Augen eigentlich schon vor seiner Veröffentlichung verloren gehabt zu haben und bekam vielerorts keine reale Chance für eine faire Bewertung, weil er in Konkurrenz mit zwei Meilensteinen der Filmgeschichte steht, die wahrscheinlich niemals mehr erreicht werden. Der amerikanische YouTube-Reviewer Chris Stuckmann drückt seine Sicht der Dinge in Bezug auf Terminator–Genisys wie folgt aus:

„I can´t recommend this movie simply because it was slightly better than I thought it would be and that it was simply maybe all right. We can´t keep saying movies are okay and that was fine – just have fun with it. […] That is why studios keep making movies that are just OK or not so great.”

Die Einstellung die Stuckman in seiner trotzdem sehr fairen Review beschreibt scheint symptomatisch bei der Bewertung von Terminator–Genisys zu sein: Genisys ist eigentlich ein Film der völlig in Ordnung ist und der zu unterhalten weiß, aber nicht so großartig ist wie die ersten beiden Teile es noch geschafft haben und wird scheinbar deshalb massiv abgewertet.

An Stuckmans Einstellung über Hollywoods Tendenz größtenteils nur noch „OK-Filme“ zu produzieren mag viel Wahres sein, aber letztendlich hebelt diese in meinen Augen auch den Sinn einer Review aus, wenn aus diesem Grund nachher ein übertrieben schlechtes Fazit gezogen oder Note vergeben wird und ein für sich betrachtet „okayer Film“ nicht als „okayer Film“, sondern in den Fazits und Noten der Kritiker als richtig schlechter Film erscheint. Es entsteht ein heikler Vorabeindruck, der jemanden wie mich, der den Film eigentlich sehen wollte letztendlich fast davon abhält sich diesen im Kino anzusehen. Denn eins ist klar: Richtig schlechte Filme brauche auch ich nicht im Kino sehen.

Warum diese Welle der Negativität ausgerechnet Terminator–Genisys getroffen hat, verwundert mich vor allem deswegen, weil das beispielsweise bei dem auf vielen Ebenen eher unterdurchschnittlichen Jurassic World nicht der Fall war. Einem Film, der trotz seiner Fehler bei Kritikern größtenteils als „OK“ bezeichnet wird und bei dem man einfach Spaß haben kann. Sicherlich gibt es noch andere Gründe warum sich Jurassic World zu einem der erfolgreichsten Filme aller Zeiten mausern durfte, während Terminator–Genisys darum kämpfen muss sein Produktionsbudget überhaupt wieder einzuspielen. Schaut man sich die Reviews beider Filme an, dann kann ich mich des Eindrucks nicht entledigen, dass an Terminator-Genisys ein Exempel statuiert worden ist, während die gleiche Kritik auch ohne weiteres auf Jurassic World zutreffen würde aber scheinbar einfach nicht angeführt wird. Auch Stuckman scheint sein Fazit seiner Terminator-Review bei seiner Kritik von Jurassic World nicht anzuwenden, auch wenn er durchaus die Fehler der dritten Fortsetzung von Jurassic Park anprangert. Verkehrte Welt für mich, denn Terminator–Genisys ist zwar wie Jurassic World keine Fortsetzung, nach der die Welt geschrien hat, aber für mich der eindeutig bessere Film, an dem ich nur wenig auszusetzen hatte.

Terminator–Genisys läuft seit dem 9. Juli im Kino.

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