Life is Strange – Am Ende der (Zeit-)Reise

2015-10-22_00008Ende April habe ich das Episoden-Adventure Life is Strange anhand der bis dahin erschienenen zwei Episoden besprochen. Jetzt ist auch die fünfte und letzte Folge erschienen, was Grund genug für ein kleines Update ist. Ich versuche, es Spoiler-frei zu halten.

Letztlich hat sich das Meiste von dem fortgesetzt und bewahrheitet, was ich schon angesprochen hatte: Bis zum Schluss bleibt Life is Strange audiovisuell packend, spielerisch ausreichend interessant – und eben nicht revolutionär. Wie erwartet ordnet auch dieser Vertreter des Episoden-Adventures die (scheinbare) Entscheidungsfreihet letztlich den erzählerischen Notwendigkeiten unter und so werden die meisten getroffenen Entscheidungen zwar gegen Ende wieder aufgegriffen, bleiben aber ohne nennenswerte Konsequenzen für die Gesamthandlung. Das geht in Ordnung, da die Geschichte insgesamt auch funktioniert und emotional immer mal wieder die richtigen Schalter umlegt und uns durch die Rückspul-Funktion dazu anregt, die Konsequenzen der verschiedenen Handlungsmöglichkeiten auszuprobieren – mit teils überraschenden Ergebnissen.2015-10-22_00002

Schade ist in diesem Zusammenhang aber, dass Handlung und Dramaturgie insgesamt betrachtet deutliche Höhen und Tiefen aufzeigen. Können die teils etwas naiven und klischeebehafteten Figuren samt ihrer Dialoge noch verschmerzt werden, da sie liebenswert genug sind, um sich daran zu gewöhnen, so brechen weite Teile der Handlung gerade in der letzten Episode ein wenig in sich zusammen. Während ein Handlungsstrang um eine verschwundene Freundin Chloes insgesamt konventionell, aber zumindest mit Zeitreisen gewürzt, zuende geführt wird, so bleiben die Erklärungsversuche für die übernatürlichen Rahmenbedingungen des Spiels sehr vage. Das kann man einerseits zwar als künstlerische Entscheidung sehen („nicht zu viel erklären!“), andererseits sind aber einige spontane metaphysische Einsichten der Figuren in dieser Hinsicht doch arg weit hergeholt und wirken so insgesamt aufgesetzt.

2015-10-22_00003Mir blieb beim Spielen letzten Endes oft das Gefühl, dass Life is Strange mir unbedingt etwas sagen will – aber die Worte trotz aller bedeutungsschwangerer Dialoge nicht so recht finden kann. Ich musste sogar ein wenig überlegen, worum es denn eigentlich geht: Entscheidungen, Erwachsenwerden, Schicksal, Freundschaft, Liebe, Kunst, Gewalt, Manipulation… In diesem Tohowabohu von Themen fällt es schwer, eine klare „Message“ auszumachen. Das kann zwei Dinge bedeuten: Entweder, dass die Autoren einen wilden Cocktail aus „erwachsenen“ Themen gemixt haben, und Life is Strange bloß ein pseudo-intellektueller Blender ist. Oder aber, dass sich in diesem (emotionalen) Chaos die Welt von jungen Meschen wie der Protagonistin Max Caulfield wiederspiegelt, in der nun mal alle diese Dinge eine Rolle spielen. Vielleicht beides? So oder so regen zumindest einzelne Passagen auch immer wieder zum Nachdenken an, selbst wenn das Gesamtkonstrukt schwächelt.

Life is Strange sitzt irgendwo zwischen Popcorn-Mystery und Coming-of-Age-Drama und hebt sich in jedem Fall von der Masse ab. Das Spiel zeigt trotz aller Schwächen beeindruckend, was in diesem Genre und bei Videospiel-Geschichten generell machbar ist. Am überraschendsten war für mich insgesamt die emotionale Wucht, die das Spiel in einzelnen Szenen immer wieder entwickelt hat. Nicht nur für Adventure-Fans eine Empfehlung.

Life is Strange ist bei Steam erhältlich, 4,99 € je Episode oder 20,00€ für die ganze Serie.
http://lifeisstrange.com

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