Gut und Günstig: Videospiel-Empfehlungen 2015

Jetzt, wo bald die Einkommensteuerrückerstattungen (für solche Worte wurde die deutsche Sprache erschaffen) anstehen, wollen wir uns mal ansehen, was in den vergangenen 12-14 Monaten reizvolles auf den Videospiel-Markt gekommen ist.

Denn: Auch im Jahr 2015 gab es einige interessante Titel jenseits der Triple-A Blockbuster, die bei vielen vielleicht unter dem Radar geblieben sind. Ich präsentiere nun also eine Auswahl der Videospiele, die mich im vergangenen Jahr irgendwie beeindruckt haben, und auf die ihr an einem verregneten, kalten Wochenende einen Blick werfen könntet. Dabei konzentriere ich mich auf die günstigeren Titel, um die Hemmschwelle zum Ausprobieren auch bisher ungewohnter Titel so niedrig wie möglich zu halten. Es handelt es sich übrigens primär um PC-Titel, die auf Konsolen aber z.T. auch erhältlich sind.

Broken Age (Adventure, Double-Fine)

brokenageFangen wir direkt mit einem etwas kontroverseren Vertreter an. Tim Schafers (Monkey Island) Rückkehr zum Point-and-Click Adventure führte nicht nur 2012 zu einem der ersten richtig großen Kickstarter-Erfolge, auch die weitere Geschichte des Titels war, freundlich formuliert, interessant: Nachdem im Januar 2014 die erste Hälfte des Spiels veröffentlicht wurde mussten die schon da ziemlich ungeduldigen Fans und Förderer über ein Jahr warten, bis im April 2015 dann auch die zweite Hälfte endlich verfügbar war. Dazwischen gab es um dem Titel Gerüchte und regelrechte Kickstarter-Glaubenskrisen. Als krönender Abschluss war dann auch noch der Schwierigkeitsgrad der Rätsel in der zweiten Hälfte plötzlich enorm höher, die Logik fragwürdiger, und die Auflösung der bis dahin tollen Geschichte dann doch etwas unterwältigend, was leider einen etwas faden Nachgeschmack bei allen Beteiligten hinterließ. Das Spiel hält seine „very positive“ Wertung bei Steam wohl nur durch die überragenden Wertungen für die erste Hälfte, während die Kommentare zum fertigen Produkt größtenteils schier unterirdisch sind.

Nichtsdestotrotz ist Broken Age, zumindest über weite Strecken, eine liebevolle Hommage an das klassische Point-and-Click Adventure, und es atmet den gleichen skurrilen Charme wie die meisten Produktionen Schafers. Fans des Genres können, zumindest wenn das Spiel mal wieder im Sonderangebot (deutlich) unter den regulären 20€ zu haben ist, durchaus zugreifen – und sei es nur, um den Hype und den anschließenden Absturz nachzufühlen (oder nach dem wunderbaren ersten Akt aufzuhören).

Im Bereich der Adventures ebenfalls interessant und in einer preislich ähnlichen Lage ist natürlich das von mir ausgiebig besprochene Life is Strange, wobei die beiden Titel natürlich spielerisch quasi nicht vergleichbar sind.

Warhammer: End Times – Vermintide (Coop-Action, Fatshark)

vermintideIch gebe zu, mit dem Warhammer-Universum hatte ich nie viel am Hut, aber im Oktober 2015 erschienene Vermintide hatte in dem Moment mein Interesse, als klar wurde, das es im Prinzip Left4Dead mit Ratten ist. Die Ähnlichkeiten mit Valves kooperativem Zombie-Shooter sind frappierend. Vier Spieler bewegen sich gemeinsam durch weitläufige Level und müssen dabei stets gegen Horden von Monstern überleben. Dabei muss gefallenen Kameraden wieder aufgeholfen werden, spezielle Super-Gegner bezwungen, und meist in einem finalen Stand-Off auf Rettung gewartet werden, während die Horden in nochmal größerer Zahl über die Helden herfallen.

Die Unterschiede zu Left4Dead sind dann aber doch da, und machen sich spielerisch enorm bemerkbar: Es gibt sechs Charaktere mit unterschiedlichen Waffen und Fähigkeiten (alles von Inquisitor über Magierin bis zum obligatorischen Zwerg), das Kampfsystem ist nahkampflastig (samt mehrerer Angriffsvarianten und Block-Mechanik), die Verwendung der allesamt eher trägen Fernkampfwaffen sei wohlüberlegt. Dazu kommt eine einigermaßen motivierende Level-Up Mechanik mit Zufalls-Loot, der (Tabletop lässt grüßen) erwürfelt werden muss. Das mittelalterlich-steampunkige Warhammer-End-Times-Setting mit den angreifenden Horden von Ratten-Kriegern ist eine schöne Abwechslung gegenüber dem Zombie-Einerlei, das man in diversen CD-Key-Shops auch schon für unter 20€ erleben kann – am besten mit Freunden.

Übrigens: Anfang 2015 habe ich das sehr vielversprechende Evolve reviewed – leider ist dieses mittlerweile quasi nur noch mit einer kompletten Gruppe von Freunden spielbar, da die Community sich dank schlechten Balancings und Matchmakings mehr oder weniger in Luft aufgelöst hat – daher ist Vermintide für mich trotz mäßiger Innovationskraft der Multiplayer-Coop-Titel mit dem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis.

Cities: Skylines (Simulation, Colossal Order)

skylinesDas im März 2015 veröffentlichte Cities: Skylines war für viele das „wirkliche“ neue SimCity. Es hatte von Anfang an alles, was beim tatsächlichen neuen SimCity (März 2012) erst per Patch (und nur zum Teil) nachgeliefert wurde (z.B. Offline-Modus), und das für wenig Geld (Normalpreis bei Steam 27,99, im Angebot regelmäßig für unter 15€ zu haben). Was will das Stadtplaner-Herz mehr?

Shadowrun Reihe: Returns, Dragonfall, Hong Kong
(Rollenspiel, Harebrained Schemes)

shadowrunSchon 2013 hat Harebrained Schemes mit Shadowrun Returns ein sehr klassisches rundenbasiertes Rollenspiel im interessanten Shadowrun Universum geschaffen. Isometrische Schräg-Drauf-Sicht, düsterer Cyberpunk, Magie, Hacking – alles, was man so braucht. Es folgten im Jahr darauf Shadowrun: Dragonfall und 2015 Shadowrun: Hong Kong, die auf der gleichen Basis interessante neue Szenarien in ihren Kampagnen mitbrachten. Der Clou: Durch die Steam-Workshop Anbindung stehen neben den Original-Kampagnen auch noch unzählige Fan-Szenarios zur Verfügung. Der Dreierpack aus allen drei Spielen kostet regulär 27,99€, oft auch weniger.

Undertale (??????, Toby Fox)

undertaleDie größten Kritiker-Orgasmen verursachte 2015 der unscheinbare Titel Undertale, der weitgehend im Alleingang von Indie-Entwickler und Komponist Toby Fox produziert wurde. Was anfangs ein Retro-RPG zu sein scheint entpuppt sich bald als ein vielschichtiges Etwas mit Elementen aus Adventure, Dating-Sim und Philosophie. Kern der Spielmechanik ist die Option, jeden Gegner statt durch Gewalt auch durch andere Aktionen besiegen zu können. So ist es möglich, das Spiel mit Null Erfahrungspunkten zu beenden – oder alles niederzumähen. Selten hat dabei ein Spiel die Entscheidungen des Spielers so ernst genommen und hinterfragt.

Viel mehr kann man dazu eigentlich nicht sagen; für einen Normalpreis von 10€ sollte da jeder mal zugreifen – und mehrmals durchspielen.

 

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