Jannik schaut Game of Thrones – Review S06E10 The Winds of Winter (Die Winde des Winters)

© HBO
© HBO

Das große Finale der 6. Staffel ist da. Wie geht es aus? Was können wir von der 7. Staffel erwarten? Das alles erfahrt ihr hier, natürlich wie immer ohne Spoiler. Der Rest der 6. Staffel sollte aber bekannt sein.

Die vorherige Folge dieser Review-Reihe ist hier: Jannik schaut Game of Thrones – Review S06E09 Battle of the Bastards (Schlacht der Bastarde)

S6E10: The Winds of Winter (Die Winde des Winters)

Inhalt: Cersei and Lancel Tyrell stand trial by the gods. Daenerys prepares to set sail for Westeros. Davos confronts Melisandre. Sam and Gilly arrive in Oldtown. Bran discovers a long kept secret.

Janniks spoilerfreie Rezension:

„Winter is coming!“ Diesen Spruch hören wir seit mittlerweile sechs Staffeln. Nun strömen weißen Raben wie ein böses Omen aus der Zitadelle in Oldtown in alle Himmelsrichtungen und verkünden, dass der Winter nun endlich gekommen ist und düstere Zeiten bevor stehen.

Das Thema der Episode ist Aufbruch. Viele Charaktere haben große Bürden überstanden und bereiten sich nun auf die bevorstehenden Konflikte vor. Dies heißt jedoch nicht, dass alle Handlungsstränge in der Luft hängen gelassen werden. Im Gegenteil. Es werden viele Handlungsstränge zufriedenstellend aufgelöst und bereiten gleichzeitig auf die nächste Staffel vor.

Im Süden erreichen Sam und Gilli Oldtown (dt. Altsass), damit Sam in der Zitadelle seine Ausbildung zum Maester beginnen kann. Hier sehen wir die gigantische Bibliothek Oldtowns, die als das größte Wissenszentrum der bekannten Welt gilt. Hier ist ein Detail besonders interessant: Die Leuchter, die an der Decke hängen, gleichen dem mysteriösen leuchtenden Objekt, was im Serienvorspann über Westeros und Essos schwebt. Dies wirft erneut die Frage auf, die ich mir schon immer stellte: Was stellt dieses Gebilde dar? Ist es lediglich ein schick aussehendes Konstruktion für den Vorspann oder ein Symbol, beispielweise für die Götter der Welt von Eis und Feuer? Wer weiß, ob jemals darauf eingegangen wird? Immerhin war es ein schönes Detail, was neue Spekulationen eröffnet.

Auch Meereen und Winterfell schließen ihre Handlungen sehr schön ab und machen zugleich gespannt auf mehr. Beide Figuren in diesen Segmenten feiern die Siege der letzten Episode, müssen jedoch gleichzeitig schwierige neue Entscheidungen treffen. Eine Schlacht zu gewinnen heißt nunmal nicht, den Krieg gewonnen zu haben…

Das große Highlight der Episode ist das Segment in King’s Landing (dt. Königsmund), was interessanterweise etwa das erste Drittel der Episode einnimmt und danach in kleineren Sequenzen über den Rest der Episode verstreut ist. Besonders das erste Drittel gerät sowohl vom Drehbuch als auch von der Inszenierung her sehr filmisch. Dies ist gerade nach meiner wiederholten Kritik an den Drehbüchern der Serie ein großes Kompliment an das Staffelfinale. Man weiß genau, was passieren wird, will es jedoch verhindert wissen, was die Sequenz wie einen mittelalterlichen Thriller wirken lässt. Erzählt wird das Segment in mehreren parallel laufenden Erzählsträngen, was es beinahe wie einen Christopher Nolan-Film erscheinen lässt. Hinzu kommt die für Game of Thrones ungewohnte Pianomusik, die die Stimmung perfekt untermalt und die Szenerie abrundet.

Spoiler-Ecke

Wichtiges Ereignis der Episode:

In King’s Landing brennt Cersei zu Anfang der Episode auf spektakuläre Weise die Grand Sept of Baelor (dt. Große Septe von Baelor) nieder… und damit so gut wie jeden wichtigen Charakter dieses Handlungssegments. Überraschend ist nur, dass der Brand sich nur auf dieses Gebäude beschränkt und nicht auf die ganze Stadt ausbreitet. Immerhin wurde mehrmals betont, dass Wildfire überall unter der Stadt versteckt sei. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Mit ihrem Triumph schafft Cersei es, ihren Sohn derart zu verstören, dass er kurzerhand aus dem Fenster springt und sich das Leben nimmt. Nun ist sie zwar Königin der Sieben Königreiche, musste dafür jedoch alle ihre Kinder sterben sehen, wie es ihr prophezeiht wurde. Wir dürfen gespannt sein, ob der Rest der Prophezeihung auch in Erfüllung geht.

Daenerys segelt endlich endlich endlich (habe ich schon endlich gesagt?) nach Westeros! Und auf ihrer Seite befindet sich mittlerweile die Flotte der Iron Islands (dt. Eiseninseln) und seit dieser Episode auch Dorne und Haus Tyrell. Für die frisch gekrönte Königin der Sieben Königreiche sieht es schlecht aus. Die Arme bekommt auch einfach keine Ruhe…

Überraschendes Ereignis der Episode:

Die Identität von Jon Snows Mutter wurde endlich gelüftet. Es ist Lyanna Stark, Ned Starks Schwester. Dies bedeutet gleichzeitig, das Ned nicht Jons Vater ist, sondern Rhaegar Targaryen. Ned gab lediglich vor, der Vater zu sein, um Jon vor jenen zu schützen, die Targaryens ausgelöscht sehen wollten, da er den legitimsten Anspruch auf den Eisernen Thron hat. Dies macht Daenerys zu Jons Tante. Mittelalterliche Familienbande sind so kompliziert! Ob R+L=J (Rhaegar + Lyanna = Jon) auch für die Bücher gilt, bleibt abzuwarten. Die Show hat in dieser Staffel oft gezeigt, dass sie gerne verwirklicht, was die Fans gerne sehen wollten. Ebenso steht es mit der Krönung Jons zum König des Nordens. Dies alles wirkt etwas zu glatt, zu wünschenswert, um aus George R. R. Martins Feder zu stammen.

[collapse]

Staffel 6 schließt mit einem Finale, was in seinem Ausmaß einem Kino-Blockbuster in nichts nachsteht. Die Qualität der gesamten Staffel hingegen war mir leider oft zu schwankend. Die größte Schwäche findet sich für mich in den Drehbüchern, welche mittlerweile losgelöst von George R. R. Martins Buchreihe „A Song of Ice and Fire“ sind. Hier macht Logik und Rationalität leider oft dem reinen Spektakel und den Schockmomenten Platz. Vielleicht ist dies aber auch nur ein Problem für einen Buchleser wie mich. Für meine Hauptkritikpunkte an dieser Staffel sei auf die Kritik zur Episode No One verwiesen, die mit Blick auf die Handlung für die Entwicklung der gesamten Serie steht.

Allerdings hatte die 6. Staffel für mich auch besondere Stärken: Ereignisse, die schockieren sollten, schockierten wirklich. Wurde es einmal spannend, dann wurde es wirklich spannend. Man denke nur an die Höhepunkte der Staffel, The DoorBattle of the Bastards und die aktuelle Folge, „The Winds of Winter“. Diese Episoden waren nicht nur Highlights der Staffel, sondern gehörten gleich zu den besten Episoden der Serie.

Die 6. Staffel lässt sich also für mich wie folgt zusammenfassen: Die Drehbücher bringen immer wieder den Thron zum wackeln, von dem aus Game of Thrones unter den vielen Quality TV-Serien regiert. In seinen Höhepunkten ist Game of Thrones allerdings so gut wie eh und je. Ich freue mich deshalb auf die nächste Staffel!

Wie sieht ihr das? Wie fandet ihr die sechste Staffel von Game of Thrones?

Zurück zur Startseite

2 Gedanken zu „Jannik schaut Game of Thrones – Review S06E10 The Winds of Winter (Die Winde des Winters)“

  1. Super Review, die Folge hatte aber auch Gänsehaut- Dauerschleife 🙂
    Zum Spoiler: Ich vermute, dass das eine besagte schon in den Büchern so sein wird, da die Regisseure Game of Thrones nur als Serie umsetzen durften, wenn sie die besagte Frage nach x Eltern richtig beantworten… Und das taten sie. Deswegen wird dieses kein Fanservice der Serie sein, sondern wird auch so in den Büchern sein, meiner Ansicht nach.

  2. Was auffällt, ist, wie in der gesamten Staffel das Tempo angezogen wurde im vergleich zu früher. Figuren scheinen sich regelrecht durch Westeros zu „teleportieren“ während man bislang eher Episoden- und Staffellang gereist ist. Das hat m.E. zwei Gründe: Zum einen hat man nach dem Überholen der Bücher jetzt keinen Grund mehr, zu warten, zum anderen waren diese Roadtrip-Szenen bislang vor allem zur Vorstellung und Entwicklung der Figuren da – und damit ist man jetzt offenbar durch, gab es doch kaum Neuvorstellungen in dieser Staffel.

    Als Buchleser bin ich daher gespannt, was die sicherlich wieder zahllosen Nebenstränge der Handlung beitragen werden, wenn denn der nächste Band der Reihe endlich raus kommt. Die Gesamthandlung wird sicher übereinstimmen, aber ich vermute wohl, die Serie überspringt REICHLICH – Handlungsfäden und Figuren.

    Als Seriengucker freue ich mich über diese neugewonnene Freiheit der HBO-Show und hab eigentlich auch nichts nennenswert auszusetzen. Im Finale ist insgesamt vielleicht etwas ZU viel passiert, aber letztlich war es alles zumindest nicht nur auf Schock oder Rätselraten aus, sondern hat die Handlung voran gebracht – eine Tugend, welche die gesamten Staffelereignisse auszeichnet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.