Aus großer Kraft folgt große Verantwortungslosigkeit – Vier Augen auf Deadpool

Deadpool wartet entspannt auf etwas Action. (Quelle: © Twentieth Century Fox of Germany GmbH)
Deadpool wartet entspannt auf etwas Action. (Quelle: © Twentieth Century Fox of Germany GmbH)

Deadpool, der „Merc With A Mouth“ macht momentan unsere Kinos unsicher. Kai und Trisha haben sich den R-Rated Superheldenfilm angesehen und berichten euch, was sie von dem Streifen halten.

Inzwischen ist Deadpool auch auf DVD und BluRay zu haben, mehr zum Umfang des Releases hier: Movie-News: Deadool gibt es jetzt fürs Heimkino

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Kais Kritik:

Wie so viele ist mir Deadpool erst wirklich ein Begriff geworden, seit es auf die Veröffentlichung der heiß erwarteten Verfilmung zu ging. Ich bin kein großer (Marvel-)Comic-Leser, daher war mir die ganze Meta-Komponente der Figur eher fremd, und was man so am Rande von Veröffentlichungen wie dem spielerisch mäßigen Videospiel mitbekam klang zwar witzig, aber nicht unbedingt revolutionär. Sogar der große X-Men: Origins – Wolverine „Skandal“ um die dort verhunzte Inkarnation der Figur ist seinerzeit völlig an mir vorbei gegangen. Hey, ich fand sogar Green Lantern ganz OK.

Dann ist so langsam der Hype-Train vorgefahren: Aufgeregte Fans, Trailer, endlose Reihen von YoutubeErklärVideos. Ein „ganz anderer Held“, durchaus blutig (ok, hat man zum Teil auch schon mal gesehen) und erwachsener Humor. Ich habe mich anstecken lassen und bin dann mit relativ hohen Erwartungen ins Kino gegangen – im Hinterkopf bereits die doch überraschend positiven Kritiken.

Deadpool und Negasonic Teenage Warhead. (Quelle: © Twentieth Century Fox of Germany GmbH)
Deadpool und Negasonic Teenage Warhead. (Quelle: © Twentieth Century Fox of Germany GmbH)

Um es kurz zu machen: War geil.

Als Superhelden-Satire funktioniert der Film genauso gut wie als „richtiger“ Superhelden-Film. Er ist bewusst an das laufende X-Men Filmuniversum angehängt, was dabei hilft, die Verrücktheit des Protagonisten zu genießen und ihn dabei trotzdem ernst zu nehmen. Dabei kollidieren Erwartungen an das Superheldentum und -genre (herrlich verkörpert von X-Man Colossus) mit der „Fuck-this-Shit“-Attitüde Deadpools – was nicht unbedingt innovativ ist, in der Praxis dann aber wirklich unterhaltsam daherkommt. Das durchgehende Durchbrechen der vierten Wand und die zahllosen Gags unterschiedlichster Bauart trieben mir vom Intro bis zur obligatorischen Post-Credit-Sequenz immer wieder Tränen in die Augen.

Dem gegenüber steht eine dann doch eher altbackene Geschichte nach dem Schema: Superhelden-Origin-und-rette-dann-die-Freundin. Die ein oder andere Erwartungshaltung wird zwar bewusst als Gag umgedreht, aber das ändert nichts an der eher durchschnittlichen Qualität der Ware, die dem Publikum in dieser Hinsicht aufgetischt wird. Deadpool, seine Fresse und auch die meisten Nebenfiguren machen das zwar mehr als wieder gut, interessant wird für mich dann aber, was das Sequel uns auftischen wird.

Trishas Kritik

Als ich hörte, dass es einen Film über Deadpool geben soll, war ich skeptisch, da ich ein sehr gespaltenes Verhältnis zu den Deadpool Comics habe: Ich liebe den Charakter, ich hasse seine (meisten) Comics. Deadpool, das ist für mich dieser durchgeknallte Typ, der kaum einen Skrupel kennt, einen derben Humor hat und der gerne mal mit dem Publikum, mit den Stimmen in seinem Kopf oder den Textboxen in seinem Comic Panels spricht. Deadpool nimmt nichts wirklich ernst genug um sich davor zu fürchten, vor allem nimmt er sich selbst nicht ernst. Seine Sprüche gehen unter die Gürtelinie, darüber hinaus oder mehrfach mitten durch. So hat er sich einen festen Platz im Marvel Universum erkämpft und seine Fans lieben ihn dafür. Und weil er eben so ein cooler Bro ist wird er immer wieder in diese hypermaskulinen Comicumgebungen gesteckt, die ich streckenweise nicht mehr lesen konnte, weil ich so oft mit den Augen rollte, dass sie mir irgendwann im Hinterkopf feststeckten. Das ist besonders schade, weil ich immer öfter den Eindruck hatte, dass er sich in dieser Umwelt selbst nicht wohl fühlt.

Deadpool hat in jeder Lage einen komischen Spruch auf den Lippen. (Quelle: © Twentieth Century Fox of Germany GmbH)
Deadpool hat in jeder Lage einen komischen Spruch auf den Lippen. (Quelle: © Twentieth Century Fox of Germany GmbH)

Deadpool ist immer dann am besten, wenn er mit anderen Superhelden und Heldinnen interagieren kann, wenn er sich z.B. mit den Hawkeyes zusammen schließt oder sich mit Spider–Man zum Schreien komische Wortgefechte liefert. All das wird besonders gut, wenn er eben diesen Comics, die sich oft viel zu ernst nehmen, die eigene Absurdität des Marvel-Universums aufzeigt. Dies geschieht dann z.B. indem er Hawkeyes Pfeile mit Hulk-Merchandise-Fäusten spickt. Oder wenn er Wolverine versichert, dass seine Heilungskräfte ganz bald wieder in seinen Comic zurück geschrieben werden, während er ihm ein Hello Kitty Pflaster auf den blutenden Arm klebt. Bei Deadpools eigenen Büchern wäre das auch immer schnell gegangen.

DeadpoolHawkeye
Deadpool und Hawkeye in Aktion. (Quelle:  © Marvel Comics)

Ähnlich ging es mir mit dem Kinofilm. Ich hatte sehr viel Spaß und habe mich 90 Minuten lang gut unterhalten gefühlt. Das lag nicht an der vorhersehbaren und dünnen Story, dem blassen Bösewicht dessen Motive sich mir nicht erschlossen haben oder dem furchtbaren „Best Girlfriend in the World“ Trope. Es liegt auch nicht daran, dass der Film versuchte all diese Probleme damit zu relativeren in dem er sie wortwörtlich ansprach – auch wenn ich den Versuch zu schätzen weiß, stellt das für mich keine Entschuldigung dar.

Es lag einfach an Deadpool selbst und daran, wie perfekt ihn Ryan Reynolds verkörpert hat. Es lag daran, wie gut er mit Collossos und Negasonic Teenage Warhead interagierte. Es ist großartig zuzusehen, wie Deadpool nichts ernst nimmt, die 4. und auch die 16. Wand durchbricht und damit nicht nur sich selbst als Figur sondern Marvel- und andere Comicfilme im Allgemeinen kommentiert. Auf wundervolle Art und Weise wird dies auf die Spitze getrieben, wenn der Film als Ganzes damit spielt, dass er ein Film ist.

Kurz kann ich also auch nur sagen: War geil. War auch problematisch, aber darauf achtete eh kein Mensch, weil Deadpool gerade einen Witz über seine Eier macht.

Dabei fällt mir ein, Gerüchte, dass der Film nur aus Peniswitzen besteht halte ich für stark übertrieben. Es waren auch mindestens drei Vaginawitze enthalten!

Deadpool läuft seit dem 12. Februar in deutschen Kinos.

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2 Gedanken zu „Aus großer Kraft folgt große Verantwortungslosigkeit – Vier Augen auf Deadpool“

  1. Interessant, von dem einen Deadpool-Comic (Deadpool gegen S.H.I.E.L.D.) habe ich genau die umgekehrte Meinung wie Trisha. Ich fand den Charakter, seine Sprüche und die vierte-Wand-Brüche langweilig bis nervig, aber den Plot und die Charakterentwicklung ziemlich gut, auch recht stark für ein Superheld*innencomic. Wobei ich auch die Interaktionen mit anderen Charakteren am besten fand. Und das mit dem Hello-Kitty-Pflaster find ich cool.

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