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Vier Augen auf Ghostbusters (2016)

Die neuen Ghostbusters in Action- (Quelle: © Sony Pictures Releasing GmbH)
Die neuen Ghostbusters in Action- (Quelle: © Sony Pictures Releasing GmbH)

Diese Woche startet der neue Ghostbusters in den deutschen Kinos. Stefan und Jannik haben vier Augen auf den Streifen geworfen und berichten, was es mit dem kontroversesten Blockbuster des Jahres auf sich hat.

Stefan meint:

Jetzt hab ich ihn also gesehen — Ghostbusters — das von Regisseur Paul Feig inszenierte Remake des gleichnamigen Films von 1984. Es gibt wohl keinen Film, der im Vorfeld mit einer vergleichbaren Negativität umgeben wurde wie dieser.

Schattenseiten des Internets — Anti-Hype

Von organisierten Dislike-Kampagnen gegen Filmtrailer und Reviewer auf YouTube, über die gezielte Sabotage von Publikumsbewertungen auf populären Filmseiten wie RottenTomatoes oder IMDB.com, bis hin zu sexistischen und rassistischen Hass-Kampagnen gegen die Film-Schauspielerinnen auf Twitter. Im Rahmen des neuen Ghostbusters hat das Internet seine Schattenseiten gezeigt. Im Sinne von Elisabeth Noelle-Neumanns Schweigespirale wurde eine vermeintliche Mehrheitsmeinung konstruiert, wodurch nicht nur positive, optimistische oder neutrale Meinungen zu Sonys Reboot systematisch marginalisiert, sondern auch ehrlich formulierte Kritik und berechtigte Sorgen vieler Kinofans entwertet wurden. Der entstandene Anti-Hype um Ghostbusters lässt eine unverkrampfte Betrachtung des Films fast unmöglich werden. Ghostbusters ist dadurch zu mehr geworden als nur zu einem Remake eines Klassikers, den viele Hardcore-Fans nicht wollten. Es ist deswegen für mich eine Leistung, dass ich die spaßbremsenden Begleitumstände im Kinosaal für 116 Minuten fast völlig ausblenden konnte.

Die Kindheit ist noch da!

Um es vorwegzunehmen: Ich hatte Spaß, ich habe gelacht und meine Kindheit ist auch noch da! Der Film hat sehr viele gute, spaßige und unterhaltsame Momente, aber es gibt auch Probleme und wird letztendlich auch nicht jedem gefallen. Dies ist aber völlig OK, denn das Filmerlebnis ist eine völlig subjektive Erfahrung.

Ich kann eine gewisse Skepsis vieler Fans des ersten Films durchaus verstehen. Die Ghostbusters haben seit meiner Kindheit einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Ich habe als Kind nicht nur die Zeichentrickserie The Real Ghostbusters verschlungen, sondern hatte auch passendes Spielzeug und Actionfiguren. Regisseur Ivan Reitmans Original aus dem Jahr 1984 gehört für mich in die Top 5 der besten Komödien des damaligen Jahrzehnts und der Film hat einen sehr großen Stellenwert bei mir. Trotzdem habe ich kein Problem damit, dass dieser Film ein Remake bekommen hat, denn bisher hat keine der auf dem Film basierenden Geschichten in Kino, TV, Comic oder Videospielen jemals die Magie des ersten Films einfangen können. Es gab für mich also nichts zu verlieren und ich hatte trotzdem Bock auf neue Geisterjägergeschichten.

Das Kinoplakat (Quelle: © Sony Pictures Releasing GmbH)
Kevin, Abby, Holtzman, Erin und Patty im Kinoplakat (Quelle: © Sony Pictures Releasing GmbH)

Reboot — Eine gute Idee?

Die von vielen Fans gewünschte Idee eines Ghostbusters III mit der alten Besetzung um Bill Murray, Dan Akroyd, Harold Ramis und Ernie Hudson hat mich allerding nie so wirklich begeisteren können. Auch wenn mich das Videospiel von 2009 mit den alten Helden schon sehr nostalgisch zurückgeließ, so hat mich die Ankündigung eines von Paul Feig inszenierten Reboots mit einem rein weiblichen Team sehr gefreut.  Ich musste mich so auch nicht, wie bei J.J. Abrams-Star Trek-Reboot, darauf einstellen, dass die für mich vertrauten ikonischen Figuren Peter Venkman, Ray Stantz, Egon Spengler und Winston Zeddmore von anderen Schauspielern dargestellt werden. Stattdessen sollten neue Figuren ohne Verbindungen zum Original im Zentrum des neuen Films stehen. Ein Pluspunkt, der sich zumindest für mich ausgezahlt hat und den ich nach dem Tod von Harold Ramis im Jahr 2014 als den logischen nächste Schritt empfand.

Das neue Team,  der neue Humor und Cameos

Das neue Team um die paranormale Expertin Abby (Melissa McCarthy), die desillusionierte Skeptikerin Erin (Kristen Wiig), die abgedrehte Ingenieurin Holtzmann (Kate McKinnon), die New York-Expertin Patty (Leslie Jones) und den etwas einfach gestrickten Rezeptionisten Kevin (Chris Hemsworth) harmoniert in meinen Augen sehr gut miteinander, obwohl die Figuren nicht gegensätzlicher hätten sein können. Der Film ist immer dann ganz besonders unterhaltsam, wenn er auf eigenen Füßen steht und die neuen Figuren einfach nur zusammen sind und interagieren dürfen. Es zündet zwar nicht jeder Gag, aber sie sind genug um gut zu unterhalten. Statt dem sehr subtilen und trockenen Humor des Originals bekommen Zuschauer und Zuschauerinnen einen überdrehteren, cartoonhaftigeren und zünftigeren Humor präsentiert. Das ist Regisseur Paul Feigs Stärke, aber sicherlich auch nicht jedermanns Sache.

Der neue Ghostbusters ist für mich immer dann gut und kommt in Fahrt, wenn er auf eigenen Beinen stehen kann. Mein größtes Problem mit dem Film sind die teilweise wenig gelungenen Verweise zum Original von 1984. Jedes Mal wenn ein Schauspieler aus dem Originalfilm auf der Leinwand auftaucht, stoppte der Film für mich. Die Cameos wirkten auf mich meist deplatziert und erzwungen. Gerade der Auftritt von Bill Murray hat mich schwer enttäuscht, denn statt Spaß und Freude zu versprühen, wirkte Murray einfach nur anwesend. Hier hätte Sony stattdessen auf das neue Team hinter und vor der Kamera vertrauen sollen, denn sie können so einen Film definitiv auf ihren Schultern tragen. Wenn man sie lässt!

Ein schwacher Bösewicht und gutes 3D

Die Geschichte rund um den Gegenspieler der Ghostbusters hat mich ebenfalls gestört. Die Motivation des Bösen wirkt aufgesetzt, wenig überzeugend und ist nach dem Kinobesuch praktisch schon vergessen. Ich hatte auch mehrmals das Gefühl, dass einige wichtige, erklärende Szenen der Schere zum Opfer gefallen sind. Der Szenenfluss der letzten Hälfte des Films leidet daher etwas und das Gesamtergebnis wirkte nicht wirklich rund. Trotzdem machte es Spaß, die neuen Ghostbusters im Kampf gegen die Geister von Pilgervätern oder anderen Höllenkreaturen zuzusehen.  Gerade auch, wenn man sich den Streifen in einem guten 3D-Kino mit scharfer Projektion ansieht. Sony hat sich hierfür einen ganz besonderes Effekt einfallen lassen, der sehr spaßig eingesetzt wurde.

Meine Empfehlung

Ghostbusters macht Spaß, ist aber auch nicht für jeden. Wer am Film interessiert ist, sich von der wenig repräsentativen und wenig gelungenen Marketingkampagne nicht völlig abgeschrecken lassen hat, mit dem Humor von Paul Feig oder in der deutschen Version von Oliver Kalkhofe klar kommt und ohne vorgefertigte Meinung reingeht, die/der sollte ihn sich anschauen. Wer schon vorher weiß, dass sie/er eine Neuinterpretation nicht will oder dem Humor des Originals nachtrauert, sollte erst gar nicht ins Kino gehen. Gerade ein jüngeres Publikum wird aber voll auf seine Kosten kommen. Wahrscheinlich genau wie ich, als ich als Kind The Real Ghostbusters verschlungen habe.

Jannik meint:

Welthunger, Terror, Klimawandel… Nein, was wirklich falsch läuft mit der Welt, ist der neue Ghostbusters-Film! Diesen Eindruck bekam ich zumindest, wenn ich mir im Internet die Trailer anschaute und es wagte, einen Blick in die Kommentare zu werfen. Nun ist der Film da und ich kann mich Stefans Kritik weitestgehend anschließen. In ein paar Jahren wird man sich wohl fragen, warum um einen so harmlosen Film ein so großer Wirbel gemacht wurde.

Saturday Night Live-Alumni bringen frischer Note

Obwohl ich kein eingefleischter Fan des 1984er Originals bin, kann ich ihn dennoch als gelungene Komödie mit Kultstatus wertschätzen. Daher sagt mir mein Bauchgefühl sofort, dass ein Ghostbusters-Remake überflüssig ist. Ironischerweise ist es gerade der von den „Fans“ verhasste All-Female-Cast, der das Remake von dem Original abhebt und es vor der Trivialität bewahrt. Die Besetzung der neuen Ghostbusters, allesamt Saturday Night Live-Alumni, schafft es durchweg zu unterhalten und ihre Charaktere interessant und sympathisch zu gestalten. Die größte Sympathiefigur ist Erin (Kristen Wiig), der wir von Anfang an durch die Geschichte folgen und die der emotionale Kern der Geschichte ist. Das Highlight der Truppe ist Jillian Holtzmann (Kate McKinnon), die optisch eindeutig von Egon Spengler aus der animierten Serie The Real Ghostbusters inspiriert ist. Sie scheint bei der Geisterjagd mit Abstand am meisten Spaß zu haben und bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen Sorglosigkeit und Wahnsinn. Ihr unkonventionelles Verhalten macht meistens Spaß, kann manchmal jedoch schlicht unrealistisch für die Handlung wirken (was in einem Film über Geisterjäger schon etwas heißen will). Holtzmann ist ein Cartoon-Charakter, den man entweder mag oder nicht. Für mich war sie der Star des Films.

Chris Hemsworth als Kevin (Quelle: © Sony Pictures Releasing GmbH)
Chris Hemsworth als Kevin (Quelle: © Sony Pictures Releasing GmbH)

Kevin — Eine Stereotyp-Umkehr

Ein weiteres Highlight ist der Sekretär Kevin (Chris Hemsworth), der so unfassbar unterbelichtet ist, dass auch er nicht allzu ernst genommen werden sollte. Wenn wir davon ausgehen, dass dieser All-Female-Ghostbusters eine Umkehr der Hollywood-Konventionen ist, dann ist Kevin das Klischee des dummen Blondchens, welches nur für ihr gutes Aussehen da ist. Dass dieses Jahrzehnte alte weibliche Klischee nun auf den Kopf gedreht wurde, macht seinen Charakter erfrischend unterhaltsam.

Gelungene Cameos und Neuerungen

Interessant ist, dass mir die Cameo-Auftritte der alten Ghostbusters überhaupt nicht negativ auffielen. Stefan hat recht, dass sie etwas fehl am Platz wirken, für mich gerieten sie jedoch als durchweg unterhaltsam. So hielt ich auch Bill Murrays Auftritt für beabsichtigt gelangweilt, um einen Kontrapunkt zu den Hauptdarstellerinnen zu bieten.

Ein Cameo von Slimer ist auch Teil des Films (Quelle: © Sony Pictures Releasing GmbH)
Ein Cameo von Slimer ist auch Teil des Films (Quelle: © Sony Pictures Releasing GmbH)

Die Handlung des Films orientiert sich stark am Originalfilm, bietet jedoch einige Neuerungen. So liegt ein stärkerer Fokus auf den Testläufen diverser Gadgets, welche später in einer großen Actionsequenz zum Einsatz kommen. Die Action stellt ebenfalls eine Neuerung dar: das Geisterfangen im Original und dessen Sequel gestaltete sich relativ statisch. Im Remake hingegen gerät das Geisterfangen dynamisch, bunt und meistens kreativ.

Lustig, aber nicht brillant

Leider ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass längst nicht alle Witze gesessen haben. Um keine Missverständnisse entstehen zu lassen: Ich habe sehr viel gelacht. Allerdings hatten viele Gags schwache Pointen. Sie hätten bissiger oder cleverer ausfallen müssen, um zu funktionieren. Aus diesem Grund und der teilweise recht vorhersehbaren Handlung empfand ich, im Gegensatz zu Stefan, den Film etwa 15-20 Minuten zu lang. Besonders einer der Subplots erschien mir völlig unnötig für die Handlung und auch der Gegner hätte blasser nicht sein können, sodass es ganze Strecken im Film gab, die ich gerne übersprungen hätte.

Mein Fazit

Alles in allem ist Ghostbusters (2016) kein großer Fang für mich, aber bei weitem nicht das große Desaster, was viele schon vor dem ersten Trailer vorhersagten. Herausgekommen ist ein netter Film, der von seinen starken weiblichen Charakteren lebt und den Zuschauer oft zum Lachen bringt. Noch einmal schauen muss ich ihn nicht, aber schon im Kinosaal bekam ich Lust auf ein Sequel. Wenn bei diesem die Handlung und der Bösewicht kreativer ausfallen, freue ich mich drauf!

Ghostbusters startet am 04.August 2016 in den deutschen Kinos.

Stefan, Jannik und Patrizia könnt ihr zudem im Schundcast in einer ausführlichen Spoilerdiskussion über den Film sprechen hören.

Hört einfach rein: Schundcast 011: Wir beantworten den Anruf – Unsere Ghostbusters (2016) Spoilerkritik

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2 Gedanken zu „Da ist was los, in der Nachbarschaft:
Vier Augen auf Ghostbusters (2016)“

  1. Ich will nicht viel Worte dazu verlieren: Unterhaltsamer und belangloser Film den die Welt nicht gebraucht hätte, der aber ausgerechnet von der Spielfreude der verhassten weiblichen Hauptdarstellerinnen gerettet wird. Gern mehr davon, dann aber mit einem Plot der mich irgendwie interessiert.

  2. Ich fand ihn nicht so toll. Optisch toll, gerade die CG-Szenen. Also alles, was mit Geistern war. Alles andere aber Einfallslos. Vor allem die Schreibleistung und Filmkunst (Montage/Kamera) hatten Luft nach oben. Sehr statisch gedreht und kaum Lustig. Außerdem waren viele Plot Points sehr konstruiert. (Beispiel: Das Schweizer Taschenmesser.) Den Kevin-Witz haben sie gemolken. Abspann mit Tanzeinlage von Hemsworth war super!

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