Auf dem richtigen Kurs: Vier Augen auf Star Trek Beyond

© Paramount Pictures
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Kai und Stefan waren zusammen im neuen Star Trek Film – eins vorweg: Man hat überraschend wenig auszusetzen!

Kai meint:

Beim Dritten Film der Reboot-Reihe hat mich von Anfang an ein bestimmtes Gefühl gepackt und auch (fast) durchgehend nicht mehr los gelassen: Das war endlich wieder „richtiges“ Star Trek. Wenn man mal den Vergleich mit den TV-Serien kategorisch außen vor lässt (man höre dazu – und zum Thema „richtiges“ Star Trek – auch unseren großen Star Trek Schundcast), braucht Star Trek Beyond in Sachen Charme und Unterhaltungswert den Vergleich mit einem klassischen Star Trek Film der Shatner-Ära nicht zu scheuen.

Die Figuren sind Trumpf

Der wichtigste Faktor in diesem Zusammenhang ist die endlich absolut perfekte Chemie zwischen den Figuren – die war nie wirklich schlecht, bekommt aber im dritten Film der Reihe zum ersten Mal ausreichend Luft zum Atmen und geht im Action-Tam-Tam nicht mehr unter. Das Zusammenspiel der Kern-Crew, die durch die Ereignisse auch in spaßige Kombinationen zusammengewürfelt wird (z.B. McCoy und Spock mit erwartbar herrlichen verbalen Schlagabtäuschen), aber auch die gute Einbindung von Nebenfiguren wie Uhura und Alien-Trapperin Jaylah ist erwähnenswert. Farblos bleibt über weite Strecken lediglich der Bösewicht Krall, den Idris Elba aber immerhin mit seiner ihm eigenen subtilen Agressivität glaubhaft bedrohlich erscheinen lässt.

Jayla hat es sich auf dem Kommandostuhl gemütlich gemacht. (Quelle: © Paramount Pictures Germany)
Jayla hat es sich auf dem Kommandostuhl gemütlich gemacht. (Quelle: © Paramount Pictures Germany)

Auch sonst hat Star Trek Beyond einiges zu bieten: Der Plot ist, vom etwas arg konstruierten Einstieg mal abgesehen, stringent und spannend durchinszeniert. Audiovisuell legt das 2009 wiedergeborene Franchise nochmal eine Schippe drauf und sorgt auf der großen Leinwand für einige Ohs und Ahs, die gerade wenn man sie nicht mehr länger wie bisher  als „Blendwerk“ über einem schwachen Plot verstehen muss ein seliges Grinsen beim Kinobesucher hinterlassen. Gegen Ende gehen der Produktion dann zwar ein wenig die Pferde durch, aber das habe ich zumindest durchaus genossen – subtil ist anders, aber was die Crew im Finale abfeuert fügt sich nahtlos als gut gelaunter Höhepunkt an das Gesamtwerk an.

Abwesende Freunde und Star Trek Nostalgie

Generell nimmt sich der Film nicht zu ernst, gleichzeitig wird aber auch den alten „Nerds“ respektvoll zugenickt, indem keine allzu gähnenden Plot-Löcher hinterlassen werden und die gesamte Geschichte sinnvoll im Star Trek Mythos und Ethos verankert ist. Ebenfalls in die Handlung eingebunden ist der Tod des alten Spock-Schauspielers Leonard Nimoy – „Botschafter Spocks“ fiktives Dahinscheiden taucht zwar nur am Rand aus, wird aber glaubhaft als Fackelübergabe an den jungen Nachfolger inszeniert. Die (zahlreichen) Szenen mit Chekov-Darsteller Anton Yelchin, der erst kürzlich bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, lassen dessen Abwesenheit in zukünftigen Filmen der Franchise umso schmerzhafter wirken. Den Plan, die Rolle von Chekov nicht neu besetzen zu wollen, halte ich für sinnvoll: Es ist Yelchin zu verdanken, dass die eigentlich eher karikatureske Figur mit Leben und Charme gefüllt wurde – dem kann niemand so leicht gerecht werden.

Unterm Strich hat mir Star Trek: Beyond großen Spaß gemacht – die Ungezwungenheit der Handlung, die endlich die Ketten des überbordernden Fanservice abwerfen kann (auch wenn es natürlich noch einige Referenzen auf die alten Filme gibt), greift von Anfang an auf den Zuschauer über. Ja, es ist „Action-Trek“, aber ich mag diese Leute auf dem Bildschirm nun endlich auch um ihrer selbst willen und nicht nur, weil sie die ikonischen Helden meiner Kindheit „spielen“.

Stefan meint:

Ich bin Trekkie und habe jede Serie und jeden Film unzählige Male geschaut. Ich kenne Star Trek auswendig. Es ist für mich daher immer ein besonderes Gefühl im Kino zu sitzen und nicht zu wissen, welches Abenteuer die Crew der Enterprise in den nächsten zwei Stunden erleben wird. Als Fan ist es aufgrund von Erwartungen, Hoffnungen und Ängsten daher manchmal schwer, sich auf einen neuen Film so einzulassen um ihn direkt zu genießen.

Es klingt vielleicht daher vielleicht etwas pathetisch wenn ich sage, dass Star Trek Beyond bei mir ein Gefühl verursachte, dass ich zuletzt vor 20 Jahren beim ersten Kinobesuch von Star Trek – First Contact (dt. Star Trek – Der erste Kontakt) verspürt habe.

Gemeinsam sind sie stark. Mit Teamwork zum Erfolg. (Quelle: © Paramount Pictures Germany)
Gemeinsam sind sie stark. Mit Teamwork zum Erfolg. (Quelle: © Paramount Pictures Germany)

Das Gefühl wieder zu Hause zu sein.

Wie damals saß ich im Kino und realisiere plötzlich, dass ich den Film nicht einfach nur mag weil es Star Trek ist, sondern ich tatsächlich liebe was ich auf der Leinwand präsentiert bekomme. Die Crew um Chris Pines Kirk und Zachary Quintos Spock ist endlich auch in meinem Fanherzen angekommen. Sie müssen in meinem Kopf nicht mehr gegen Shatner, Nimoy & Co. antreten. Ich habe dies Autor Simon Pegg und Regisseur Justin Linn zu verdanken, die der Reboot-Crew endlich auch etwas Raum gibt, um sie auch mal in ruhigen Momenten scheinen zu lassen. Diese kleinen menschlichen Momente erden die von Chris Pine, Zachary Quinto & Co neu interpretierten Figuren in einer Weise, welche die Filme Star Trek aus dem Jahr 2009 und Star Trek Into Darkness von 2013 für mich nicht geschafft haben. Obwohl ich diese Filme sehr gut bzw. gut finde, so fehlte mir doch immer etwas. Nach dem eher mauen ersten Trailer hätte ich auch nicht gedacht, dass Star Trek Beyond in diesem Punkt anders werden würde.

Pegg und Lin geben den ikonischen Figuren nämlich viel Wärme zurück und die Crew der Enterprise wirkt dadurch endlich wie eine richtige Familie. Es macht daher eine Menge Spaß, ihnen bei der Arbeit zuzusehen. Deswegen gucke ich Star Trek und deshalb fühlt sich Star Trek Beyond am ehesten an wie eine als Blockbuster verpackte Episode der klassischen Star Trek Serie. Selbst die für das Reboot typischen Albernheiten oder die übersteigerten Actioneinlagen werden mit einem Augenzwinkern und Charme präsentiert, so dass mein innerer Star Trek Nitpicker nicht wirklich böse werden kann. Der über weiten Strecken recht blasse Gegenspieler ist für mich ein kleiner Negativpunkt, aber er zieht den Film für mich nicht runter. Ich will sowieso lieber noch mehr Zeit mit Kirk, Spock, McCoy, Scotty oder Neuzugang Jaylah verbringen.

Diversität in der Crew der Enterprise (Quelle: © Paramount Pictures Germany)
Diversität in der Crew der Enterprise (Quelle: © Paramount Pictures Germany)

Weg mit dem Gesellschaftsbild der 60er

Auch in Sachen Diversivität macht Star Trek Beyond einen großen Schritt nach vorne. Während Frauen in den beiden Filmen von J.J. Abrams gerne „zufällig“ mit viel nackter Haut gezeigt wurde und Captain Kirk wie ein pubertierender Junge mit jedem weiblichen Wesen flirten musste, so verzichtet Star Trek Beyond völlig auf diese Elemente. Stattdessen wird das durch den Reboot zurückgekehrte Gesellschaftsbild der 1960er endlich aufgebrochen.  Commodore Paris (Shohreh Aghdashloo), Jaylah (Sofia Boutella), Kalara (Lydia Wilson), Tyvanna (Anita Brown) oder Ensign Syl (Melissa Roxburgh) sorgen dafür, dass Uhura nicht mehr nur gefühlt die einzige Frau im Film mit wichtigen Dialogen ist, denn Carol Marcus (Alice Eve) aus Star Trek Into Darkness hat es leider nicht mehr in diesen Film geschafft. Positiv ist auch, dass Uhura nicht mehr ausschließlich über ihre Beziehung zu Spock definiert wird. Diese kommt zwar vor, ist aber stark zurückgefahren. Auch die Crew der Enterprise ist sehr divers dargestellt. Männer und Frauen unterschiedlichster Herkunft und unzählige bekannte und neue Aliens arbeiten jetzt an Bord der Enterprise. Alles ganz im Sinne des Gemeinschaftsgedanken der Föderation, welcher im Film gerade in Bezug auf den Bösewicht Krall von Bedeutung ist. Die vor Kinostart im Internet heiß diskutierte Szene, die Sulu mit seiner Tochter und seinem männlichen Partner zeigt, gestaltet sich als erfrischend unaufgeregt und subtil.

Ich kann mich Kai in seiner Kritik weiterhin in vielen seiner Punkte nur anschließen: Star Trek Beyond hat mir jede Menge Spaß gemacht. Es ist zwar nach wie vor Action-Trek, aber es fühlte sich trotzdem an wie „richtiges“ Star Trek. Die neuen und auch alten Figuren sind toll, die Schauspieler haben sichtlich Spaß bei der Arbeit, für Fans gibt es reichlich Easter Eggs und es gibt sogar einige sehr subtile und emotionale Momente. Die einfach gestrickte Grundgeschichte ist daher wenig störend. Ich werde noch einmal ins Kino gehen.

Star Trek Beyond läuft seit dem 21. Juli in den deutschen Kinos.

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