Lethal Weapon als TV-Serie? – Das kann doch nicht gut gehen!

Riggs und Murtaugh sehe jetzt etwas anders aus. (Quelle: © FOX)
Riggs und Murtaugh sehe jetzt etwas anders aus. (Quelle: © FOX)

Was denkt ihr, wenn ihr von einem Lethal Weapon-Remake als TV-Serie hört? „Wieso!?!“ – „Wieder so ein blutleerer Abklatsch einer sehr guten Filmreihe?“ oder „Niemand kann Mel Gibson und Danny Glover als Riggs und Murtaugh ersetzen!“? Ich muss gestehen, ich habe die gleiche negative Einstellung gehabt. Hat sich dieser bestätigt? Hier ein erster Eindruck.

Um es vorweg zu sagen: Ich habe mir den Pilotfilm zu Lethal Weapon eigentlich nur angeschaut um meine Vorurteile bestätigt zu sehen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass mir diese Neuauflage gefallen würde oder mich sogar motiviert noch weitere Episoden zu schauen. Um es vorweg zu sagen: Ich wurde positiv überrascht.

Sie sind zu alt für diesen Scheiß

Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis, die von Shane Black geschriebene und von Superman-Regisseur Richard Donner inszenierte Action-Komödie aus dem Jahr 1987 gehört heute sicherlich zu den Klassikern der Buddy-Cop-Filme. Mit Lethal Weapon 2 – Brennpunkt L.A. (1989) , Lethal Weapon 3 – Die Profis sind zurück (1992) und Lethal Weapon 4 – Zwei Profis räumen auf (1998) haben sich Mel Gibson und Danny Glover als ungleiches Polizisten-Duo Martin Riggs und Roger Murtaugh unter Actionfans unsterblich gemacht. „Ich bin zu alt für diesen Scheiß!“, sagte Glovers Charakter regelmäßig in den Filmen und mittlerweile trifft diese Feststellung auch auf beide Darsteller zu. Ein angedachter fünfter Film mit der Originalbesetzung  steckte so lange in der Entwicklungs-Hölle Hollywoods, dass beide Darsteller ihre Figuren mittlerweile  in den Ruhestand geschickt haben.

Die neuen Riggs und Murtaugh. (Quelle: © FOX)
Die neuen Riggs und Murtaugh. (Quelle: © FOX)

Stattdessen sorgte der amerikanische Sender FOX für einige Augenroller und kündigte am Ende des letzten Jahres ein TV-Remake der Filmreihe an. Lethal Weapon als TV-Serie? Keine gute Idee? Doch, irgendwie schon, wenn auch natürlich nicht die originellste. Lethal Weapon im TV funktioniert – genau wie die Kinofilme – vor allem über das tolle Zusammenspiel zwischen den beiden Darstellern. Die Chemie zwischen Clayne Crawford und Damon Wayans stimmt. Sie schaffen es das Zusammenspiel zwischen den beiden ungleichen Figuren von der ersten Minute an sehr unterhaltsam zu gestalten.

Das Konzept der TV-Serie ähnelt dem des ersten Kinofilms. Der selbstmordgefährdete Martin Riggs und der gerade von einer Herz-OP genesene Roger Murtaugh werden unfreiwillig zu Partnern und müssen im Polizei-Alltag miteinander klarkommen. Der draufgängerische Riggs bringt sich bei Ermittlungen immer wieder in waghalsige Situationen, während Murtaugh versucht Stress zu vermeiden. Ein merkwürdige Situation, die für reichliche Konfliktpotential, kuriose Momente und lustige Wortgefechte sorgt.

Ein brutaleres Trauma für Martin Riggs

Crawfords Riggs ist in der Serie ein noch gebrochenerer Mann als im Kinofilm. Sein Trauma in der Serie ist eine Ecke brutaler. Detektive Riggs verliert in den ersten Szenen des Pilotfilms nicht nur seine Frau bei einem Autounfall, sondern gleichzeitig auch noch sein ungeborenes Kind. Das ist sehr klischeehaft und ausgelutscht, wird aber wenigstens emotional sehr wuchtig inszeniert. Statt Vaterfreuden erleben wir als Zuschauer*innen, wie Riggs Welt um ihn herum in einem einzigen tragischen Augenblick zusammenbricht. Crawfords Darstellung hat mich dabei fast sofort vergessen lassen, dass ein neuer Schauspieler die ikonische Rolle von Mel Gibson übernommen hat.

Riggs bringt sich immer mit riskanten und überzogenen Aktionen selbst in Gefahr. (Quelle: © FOX)
Riggs bringt sich immer mit riskanten und überzogenen Aktionen selbst in Gefahr. (Quelle: © FOX)

Roger Murtaugh und die Michelle Obama des Fernsehens

Detective Murtaugh weicht in der Serie am stärksten von Glovers Version ab. Dies liegt nicht unbedingt an der Figur selbst, sondern an seinen modernisierten Familienverhältnissen. Wayans Murtaugh ist nicht mehr der alleinige Ernährer der Familie. Diesen Job übernimmt jetzt seine Frau Trish, gespielt von Keesha Sharp, die statt Hausfrau eine erfolgreiche Staatsanwältin ist. Er müsste aus finanziellen Gründen kein Polizist mehr sein. Trish, von Produzent Matt Miller als „Michelle Obama des Fernsehens“ bezeichnet, unterstützt ihren Mann, lebt ihr eigenes Leben und hat als beruflich erfolgreiche Frau auch Verständnis für seine beruflichen Bedürfnisse. Sie weiß, dass Roger seinen Job braucht um glücklich und ausgelastet zu sein. Sie ist keine treibende Kraft, die ihrem Mann am liebsten im Ruhestand sehen würde oder sich übertrieben Sorgen um sein Wohlbefinden macht. Folgerichtig moniert Wayans Murtaugh auch nicht, dass er zu alt für seinen Job ist.

Riggs zu Besuch bei den Murtaughs. (Quelle: © FOX)
Riggs zu Besuch bei den Murtaughs. (Quelle: © FOX)

Trish ist es auch, die Riggs in ihrer Familie willkommen heißt, während Roger noch nicht genau weiß, wie er mit der Art seines neuen Partners umgehen soll. In den ruhigen Momenten im Haus der Murtaughs wird das Ausmaß der Tragik von Riggs Schicksal deutlich. Roger hat eine intelligente und erfolgreiche Frau, die ihn bedingungslos liebt, zwei jugendliche Kinder und ein kleines Baby – also all die Dinge, welche Riggs verloren hat. In Crawfords Darstellung wird deutlich, wie sehr Riggs dies bewusst ist und wie sehr ihn das schmerzt. Gleichzeitig sucht Riggs aber auch von sich aus den Kontakt zu den Murtaughs und es wird deutlich, dass er diese Ersatzfamilie braucht um mit seinem Schicksal fertig zu werden.

Lethal Weapon macht auch im TV jede Menge Spaß

Die Hauptfiguren von Lethal Weapon: (v.l.) Martin Riggs (Clayne Crawford), Roger Murtaugh (Damon Wayans), Pschologin Maurene Cahill (Jordana Brewster), Gerichtsmediziner Scorsese (Johnathan Fernandez), Captain Brooks Avery (Kevin Rahn) und Trish Murtaugh (Keesha Sharp). (Quelle: ©FOX)
Die Hauptfiguren von Lethal Weapon: (v.l.) Martin Riggs (Clayne Crawford), Roger Murtaugh (Damon Wayans), Pschologin Maurene Cahill (Jordana Brewster), Gerichtsmediziner Scorsese (Johnathan Fernandez), Captain Brooks Avery (Kevin Rahn) und Trish Murtaugh (Keesha Sharp).
(Quelle: © FOX)

Es mag an dieser Stelle überraschend klingen, aber Lethal Weapon ist trotzdem keine Serie, die durch eine depressive Stimmung besticht, sondern der Spaßfaktor des Originals kommt definitiv nicht zu kurz. So wechseln sich die ernsteren Passagen mit sehr überzogenen, waghalsigen, aber spaßig umgesetzten, Actionsequenzen ab. Dieser eigentlich viel zu krasse Gegensatz stört nicht, sondern sorgt für die nötige Abwechslung. Lethal Weapon ist im Kern ein Polizei-Procedural; damit gibt es jede Woche einen mehr oder weniger generischen neuen Fall in dem Riggs und Murtaugh ermitteln müssen. Nicht originell, aber die Fälle funktionieren und stören nicht.

Draufgängerische Action mit Riggs und Murtaugh. (Quelle: © FOX)
Draufgängerische Action mit Riggs und Murtaugh. (Quelle: © FOX)

Wenn sich Riggs und Murtaugh eine Verfolgungsjagd während eines Autorennens mit einem flüchtenden Verbrecher liefern, dann fühlt sich Lethal Weapon nicht wie ein weiterer generischer CSI-Klon an, sondern erinnert an 80er Serien-Klassiker wie Das A-Team oder Ein Colt für alle Fälle. Wer das nicht mag und lieber eine ernsthafte oder kritischere Polizeiserie sehen will, der wird mit Lethal Weapon Schwierigkeiten bekommen. Wer sich drauf einlässt, bekommt eine solide Buddy-Cop-Serie mit liebenswerten Figuren und unterhaltsamer Action.

Fazit

Mir haben die ersten Episoden jedenfalls sehr gefallen und ich werde Lethal Weapon weitersehen. Dies hatte ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Zu meiner Freude hat FOX nach den positiven Reaktionen auf die ersten Episoden auch gleich eine ganze Staffel bestellt.

Lethal Weapon kann in Deutschland gegen eine Gebühr zeitnah nach der US-Austrahlung in der Originalversion auf diversen Portalen wie iTunes oder Amazon Video gestreamt werden. Ein deutscher Free-TV-Termin ist uns aktuell noch nicht bekannt.

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